Archiv

Die Frage, ob es für eine Kommune sinnvoll ist, das Sammeln größerer dreidimentionaler Objekte und Sachzeugnisse weiterhin Privatinitiativen und Vereinen zu überlassen, ohne eigenes Engagement zu entwickeln, darf und muss gestellt werden. Sonst wandern weiterhin Gegenstände und Erinnerungsstücke an Personen, Institutionen und Ereignisse, die Dokumente der Stadtgeschichte sind, in auswärtige private oder öffentliche Sammlungen.

Die Siedehalle der Saline am Goldstein wurde vom Verein Bad Nauheimer Museen als authentischer Ort für ein "Sole und Salz" - Museum präferiert. Dem konnte die Stadtregierung Bad Nauheims leider nicht folgen. Die Siedehalle sowie das gesamte Salinengelände wurde 2014 an einen Investor verkauft. 

So finden Sie in unserem Archiv viele interessante Exponate, an dessen Erweiterung Sie sich gerne jederzeit beteiligen können. Es ist geplant, demnächst auf dieser Seite thematisch aufbereitete Sammlungen mit Begleittexten, als kleinen Ersatz für reale Ausstellungen zu präsentieren.

 

Depot - Sammlung und Aufbewahrung

Dank der Initiative unseres Vereinsmitglieds, Herrn Hermann Pfeffer, der eine Bürgerin aus Wölfersheim-Södel auf unseren Verein aufmerksam gemacht hat, ihr historisches Kajak in unsere Sammlung zu geben, sind wir nunmehr im Besitz eines aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts stammenden Kajaks, seinerzeit "Grönländer" genannt. Dem Vernehmen nach war das Boot einst bei Regatten auf dem Großen Teich in Bad Nauheim im Einsatz.

 

Ausführliche Berichte hierzu finden Sie auf unserer Seite Presse-Echo.

Regattaboot
Regattaboot

 

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         Originales Einer-Kajak der„Großherzog Ludwig Ruderregatta“

               -  Leihgabe des Vereins Bad Nauheimer Museen e.V.  -

                                an das Teichhaus Bad Nauheim

 

 

Bereits seit 1874 existierten Ludwigs-Regatten auf dem Großen Teich im Kurpark von Bad Nauheim.

 

Die Gießener Rudergesellschaft 1877

besaß von Anfang an einen „Grönländer“ - so nannte man damals die Einer-Kajaks -. Es war ein Geschenk des Vereinsgründers und Gießener Sportpioniers Christoph Rübsamen. Nach ihm wurde das Boot „Christoph“ benannt. 1878 kaufte der Verein ein weiteres Exemplar dieser Bauart und taufte es „Kröte“.

 

 

Am 25.8.1878

veranstaltete die Gießener Rudergesellschaft von 1877 auf dem Bad Nauheimer Teich eine Ruderregatta. Es wurde ein Handicap-Rennen  zwischen einem Ruderboot, Skiff genannt, und einem Grönländer gestartet, bei dem der Ruderer 1500 Meter, der Kanute 1000 Meter, jeweils mit Wenden, zurückzulegen hatte. Der Grönländer „Kröte“ siegt vor dem Skiff.

 

In die Jahre 1880, 1881 und 1883

fallen weitere Ludwigs-Regatten, die ihren Namen zu Ehren des inzwischen regierenden Landesherrn Großherzog Ludwig IV. von Hessen und bei Rhein trugen.

Ab 1880 fand in den Wassersportvereinen eine Konzentration auf das Rudern statt.

Letztmals wurden die beiden Grönländer „Kröte“ und „Christoph“ 1881 in der Bootsliste der Gießener Rudergesellschaft aufgeführt.

 

Neue Bestimmungen für das Rennrudern von 1883 trugen wesentlich zur Beendigung der Bad Nauheimer Regatta bei.

 

Der Fund eines Grönländers

Es könnte durchaus sein, dass das Bootdamals einem sportbegeisterten Bad Nauheimer überlassen wurde, dies würde somit den Fund eines uralten hölzernen Einer-Kajaks wie folgt erklären:

 

Unter dem Dach eines Schuppens in Södel lagerte seit langer Zeit ein solcher Grönländer, der zweifelsfrei in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gebaut wurde und den Überlieferungen entsprechend auf dem Großen Teich zum Einsatz kam.

Die Besitzerin meldete diesen Fund dem Verein Bad Nauheimer Museen e.V., aber durch ein unvorhersehbares Missverständnis landete das Boot plötzlich auf dem Wölfersheimer Schrottplatz.

Nur durch das schnelle Eingreifen eines Vorstandsmitglieds des Vereins, Helmut Fleißner, gelang es, das ehrwürdige Gefährt wieder „an Land“ zu ziehen.

 

Alter und Authentizität

des Bootes bestätigte Rolf Beck aus Gießen.Er ist nicht nur ehemals erfolgreicher Rennruderer und Ehrenmitglied des Regattavereins Gießen, sondern auch kenntnisreicher Autor der Broschüre „Die Ludwigs-Regatten in Bad Nauheim“, einer historischen Darstellung des Rennruderns,  zwischen 1874 und 1883 bis hin zu den Sprintregatten ab 2002.

 

 

Ein „wohl einmaliges Stück“

sei das 83 Zentimeter breite und 4,20 m lange Boot, urteilte Rolf Beck nach einer eingehenden Besichtigung. Möglicherweise sei es in der ehemals bedeutenden Ruderbootswerft von Carl Leux in Frankfurt hergestellt worden, die um 1880 in Annoncen auch Race-Grönländer“ offerierte.

 

Der leicht geschwungene Außenkiel ist vom Bug zum Heck eisenbeschlagen, eine am Bug befindliche Öse mit Ring diente zum Anbinden einer Bootsleine. Die Entfernung vom geraden Außenkiel bis zur Gondelleiste beträgt 33 Zentimeter.

 

Eine durchgehend gewölbte Spritzwasserabdeckung aus Sperrholz bewertet Beck als nicht originalen Ersatz der wahrscheinlich ursprünglich aus bootslackgetränktem Leinen- oder Segeltuch hergestellten Persenning.

 

Nachträglich eingebaut wurde wohl auch ein beidseitiger Wellenbord am Ausschnitt für den Paddler. Verzierungen hinter der einhängbaren, aber wohl ebenfalls jüngeren Rückenlehne ordnet der Fachmann dagegen dem zeitgenössischen Historismus zu.

 

Das Boot ist im Wesentlichen baugleich mit Rübsamens „Christoph“:

 

Der 1954 neu gegründete Regatta-Verein Gießen e.V., als Nachfolger der Gießener Rudergesellschaft, ließ die Regattatradition mit den alljährlichen Großherzog-Ludwig-Regatten ab 2002 wieder aufleben. 

 

Wir danken Herrn Dietz für die Initiative und Herrn Schmidt aus Friedberg

für die Überlassung eines Jugendstilfensters

aus dem ehemaligen Hotel Augusta Viktoria in der Ludwigstrasse

für unsere Museums-Sammlung.

 

Jugendstilfenster aus dem ehemaligen Hotel Augusta Viktoria
Jugendstilfenster aus dem ehemaligen Hotel Augusta Viktoria

 

Frau Marlies Zimmer, ehemalige Hotelbesitzerin des Hotel Europäischer Hof, Kurstrasse, und  Mitglied unseres Vereins, hat uns freundlicherweise eine kleine Sammlung des einstigen Hotelsilbers des Hotels de L´Europe von 1905 überlassen.

Wir bedanken uns hierfür. 

Bitte klicken Sie auf die Bilder.

 

 

Einige Exponate des ehemaligen Salzmuseums im Teichhaus-Schlösschen möchten wir präsentieren:

 

Zu diesem Thema verweisen wir auf den Museumsführer des Hessischen Staatsbades Bad Nauheim.

Wir danken Klaus Ritt für die Überlassung der Fotos:

 

 

Eine Dokumentation zu unserer HerzSchmerz-Ausstellung 

von Kunsthistorikerin Christina Uslular-Thiele:

 

                                                "Erinnerungen an Bad Nauheim"

                 

Ob als Zierde für den eigenen Haushalt oder als Geschenk für daheimgebliebene Verwandtschaft, verzichteten bürgerliche Touristen sowie Kurgäste spätestens seit der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts nur selten, ein Souvenir als Erinnerung mitzubringen. Darauf stellte sich eine wachsende Andenken-Industrie ein, die für die jeweilige Kaufkraft der Reisenden Gegenstände unterschiedlicher Wertigkeit produzierte. Vor allem kleine, heute meist unbekannte Firmen der Porzellanbranche in Thüringen und Nordböhmen brachten massenhaft derartige Vitrinenobjekte auf den Markt, die durch üppige Druckdekore mit Bild- und Wappenmotiven der verschiedenen Reiseziele und wertsteigerndem Golddekor das Auge der Käufer erfreuen sollten.

Deshalb ist der jüngst für das künftige Bad Nauheimer Museum erworbene Salzstreuer unter all den sonst als Antiquitäten gehandelten Andenken-Tässchen und –Vasen eine Art Ausnahmeobjekt. Durch den Bezug zum Inhalt Speisesalz stellt sich heutigen Betrachtern die Frage, ob sich statt der Ansicht vom Kurhaus nicht zur Funktion passendere Bildmotive gefunden hätten: nur als Souvenir aus Bad Nauheim konnte der salzstreuende Nippes-Gegenstand Ortsbezug vermitteln.

Kein Wunder, dass mit dem Stilwandel vom Historismus zum Jugendstil auch die Produkte der Andenken-Industrie in das Visier der Kunst- und Kulturreformer gerieten. Mit dem kurz nach 1900 popularisierten Begriff „Kitsch“ bedacht und abqualifiziert, wurde der Erwerb solcher Reiseandenken spätestens in den 1920er Jahren zu einem Fauxpas in den Augen aller, die sich zur kulturtragenden Elite zählten. Wobei im heftig ausgetragenen Kampf um den guten Geschmack auch ganz schnell der frühe Jugendstil in die Schusslinie der Kritiker geriet.

Nur so lässt sich auch die Geschichte der kleinen Andenken-Tasse "Iris" erklären, die auf den ersten Blick nicht außergewöhnlich wirkt. Ein Blick auf die Hersteller-Marke zeigt aber, das um 1895 die Firma Rosenthal mit dem Service "Iris" erstmals eine rein florale Jugendstilform auf den Markt brachte.

Es lässt sich nur spekulieren, wie, warum und wann das zarte Iris-Tässchen mit dem feinen Linienrelief und dem dünnen Goldrand zur Andenken-Tasse wurde. Das teilweise von Hand aufgemalte angebliche Bad Nauheimer Wappen, mit hessischem Löwen und Mauerkrone als Stadtwappen deklariert, ist  eine freie Erfindung. Dadurch ist für einen heutigen Porzellan- bzw. Rosenthal-Sammler der Objektwert beträchtlich reduziert. Seinen eigenen Wert hat das Tässchen dagegen im Kontext der Bad Nauheimer Stadtgeschichte.

 

Beide Objekte wurden über ebay erworben, um als kleine Sachspenden in den Bestand des Vereins Bad Nauheimer Museen sowie des Jugendstilzentrums überzugehen. Besonders bei der Planung der "Herzschmerzausstellung" waren die nachteiligen Folgen eines nicht existierenden Bad Nauheimer Museums auch mit ortgeschichtlichen Sammlungs- und Forschungsambitionen besonders deutlich geworden.

 

 

 

 
 

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